Reichweite ist das neue OOTD

Reichweite ist das neue OOTD

Nachdem der Hashtag #OOTD von heute auf morgen der Renner unter den Modebloggern wurde, scheint im Moment das Thema „Reichweite“ in aller Munde zu sein. Und das nicht nur im Sinne, dass jeder eine gute Reichweite haben möchte, sondern viel mehr, dass sich Leute plötzlich aufregen, dass Reichweite mittlerweile oft wichtiger ist als die Person selbst. Vielleicht rüttelt das die Gesellschaft ja endlich wach.

Vor ein paar Wochen hatte ich auch schon einen kurzen Beitrag hierzu geschrieben. Denn leider ist es so, dass Zahlen schon immer wichtig waren und definieren, wo wir beruflich stehen. Am Ende geht es doch immer ums Geld und, dass man dafür auch etwas bietet. Als Kassiererin muss die Differenz am Ende des Tages am Besten gleich Null sein und die Produktivität in die Höhe steigen. Denn als Unternehmer möchte man am Ende mit so wenig Mitteln wie möglich das Meiste rausholen. Und so ist es auch mit Modebloggern. Wenn sich eine Agentur für einen Blogger entscheidet, sollte dieser doch direkt mit einem Schlag eine große Masse erreichen. Das spart Zeit und ist als Plus auch noch gut für’s Image, denn solch ein Modeblogger scheint ja beliebt zu sein. Nun ist es so, dass mit den Jahren mehr und mehr Blogger dazugekommen sind und bei einem Haufen Mädels ist immer ein kleiner Zickenkrieg vorprogrammiert. Jeder möchte beliebter und hübscher und einfach in allem ja ach so toll sein. Es ist ein Kampf um Aufmerksamkeit und die besten Deals und hinter all dem steckt die Reichweite. Sie setzt uns unter Druck und lässt uns Dinge tun, auf die wir vielleicht nicht mehr so stolz wären, wenn uns jemand mal verinnerlicht, was wir eigentlich machen: Follower kaufen, uns in einen anderen Menschen verwandeln und uns unsere Kontakte nach der Zahl der Instagram Follower auszusuchen.

Vielen Bloggern wie z. B. der Valerie von simple-et-chic.de, mit der ich mich beim FBC auch kurz unterhalten hatte, ist dies besonders während der MBFW Berlin vor Augen geführt wurden. Gelästere und fake Freundlichkeit standen da anscheinend an der Tagesordnung. Mir ist das nicht extrem aufgefallen, muss ich gestehen. Wobei ich schon gemerkt hatte, dass alle kleinen Gruppen nach Reichweite sortiert waren. Und hier kommt jetzt mein Punkt. Die Leute, die sich über die ganze Hässlichkeit beschweren, die die Reichweite in uns hervorbringt, sind unbewusst genauso daran beteiligt und machen manchmal die gleichen Fehler, wie die anderen. Und daher sage ich auch „uns“ und schließe mich mit ein. Unbewusst tut man doch so vieles und darf sich deshalb nie mit auschließen. Ich bin ein Mensch der generell einfach gerne auf neue Leute zugeht und jeden einfach anspricht, egal wie groß die Reichweite ist. Ich habe den Beruf Modeblogger gewählt, weil es mir einfach so viel Spaß bringt. Ich darf stylen, tolle Events besuchen, ohne Vorgaben über Mode schreiben und so viele tolle Leute kennenlernen. Mir macht es nichts aus, ob ich jetzt eine Masha anspreche oder mich spontan der lieben Josi anschließe. Ich möchte mich mit den Menschen um mich herum wohl fühlen und wenn ich merke, dass mir das jemand nicht bieten kann, dann ziehe ich weiter. Und da kommen wir zu den Gruppen: Ich traue mich oft gar nicht jemanden in einer Gruppe anzusprechen, weil ich Angst habe, dass die Personen plötzlich denken, dass ich sie nur anspreche, weil sie ja so viele Follower haben. Ich möchte einfach ich selbst sein und neue Leute kennenlernen, aber weil diese Gedanken mittlerweile so groß sind in der Bloggerszene, bringt es mich fast davon ab, die offene Person zu sein, die ich bin. Und das finde ich genauso traurig. Ich möchte mich nicht so fühlen, als wäre ich nicht gut genug, um mit jemanden ein Gespräch führen zu dürfen, weil seine Reichweite dreimal so hoch ist. Genauso habe ich mich letzte Woche aber ein paar Mal gefühlt.

Aus diesem Verhalten werden wir aber nicht rauskommen. Mädels waren schon immer Mädels und die Sache mit der Bekanntheit ist nicht erst seit letzter Woche ein Problem. Da die Modeblogger Community in den letzten Jahren so stark angewachsen ist, befinden wir uns auf eine Art Schulhof wieder oder ein Hollywood für Arme.

Wir müssen jetzt einfach das Beste daraus machen und die Zicken mit Nettigkeit erschlagen und dafür Sorgen, dass wir anderen Selbstbewusstsein geben und nicht beeindrucken wollen. Schließlich ist es die Unsicherheit, die alles Hässliche verursacht. Und da können wir alle versuchen, etwas dran zu ändern.

PS: Masha’s Beitrag hierzu gefällt mir übrigens auch sehr, da sie er auf dem Statement „Reichweite ist eben nicht immer gleich Reichweite“ aufbaut.

3 Comments
  • Lynda
    Posted at 15:43h, 14 Juli Antworten

    Danke für den Post. Habe soeben auch mal den von Masha durchgelesen. Heutzutage geht es nur um Reichweite, die Social Media Welt hat sich innerhalb von kürzester Zeit dahin entwickelt. Mal schauen, wie weit das alles noch geht.
    xoxo Lynda
    http://fashion-petite.blogspot.com/

  • Jenny
    Posted at 16:28h, 15 Juli Antworten

    Super toller Beitrag, vor allem der Vergleich Hollywood für Arme gefällt mir gut! Ich finde, wir sollten uns alle mehr auf das Besinnen was wir eigentlich damit erreichen wollten: Spaß haben und etwas Eigenes erschaffen. Wenn man davon auch noch leben kann ist doch alles super!
    Aber viele Blogger fixieren sich auch nur auf die Zahlen, merken sofort wenn einer wegfällt…traurig aber wahr!
    Liebe Grüße
    Jenny

  • Ivi
    Posted at 20:25h, 15 Juli Antworten

    Ein sehr interessanter Artikel! Ich finde es total blöd, dass man Follower kaufen kann. Das ist unehrlich und verschleiert die Reichweite.

    LG
    Ivi

    http://www.naomella.com

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