Blogger-Business: Der Weg zum Vollzeit-Blogger

Der Weg zum Vollzeit-Blogger

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DE | Vor einigen Monaten habe ich den beängstigenden Schritt in die Selbstständigkeit als Vollzeit-Blogger gewagt.  Ich liebe das Bloggen und alles was dazugehört, weshalb ich mein Hobby zum Beruf gemacht habe. Wie erfolgreich das ist, kann ich noch nicht sagen, da ein paar Monate nichts über das kommende Jahr aussagen können, finde ich, aber einen guten Rhythmus habe ich so langsam gefunden. Und deshalb möchte ich euch ein kleines Update geben, wie ich mich vorbereitet habe, wie ich mein Geld als Mode- und Fitnessblogger verdiene und wie ich meinen Alltag regel.

Wie hast du dich auf die Selbständigkeit vorbereitet?

Ich habe meinen Blog jetzt seit ca. 4 Jahren. Ich habe meinen Blog also langsam aufgebaut. Da auch lange Pausen dabei waren, wurde ich ab und zu mal wieder nach hinten geworfen und musste mir einige Dinge wieder neu aufbauen. Ein wichtiger Schritt ist also, dass man seinen Blog erst einmal eine Zeit lang aufbaut, um somit das Kundenvertrauen zu gewinnen. Kunden möchten mit Bloggern zusammenarbeiten, die es ernst meinen und den Blog nicht nach ein paar Monaten wieder aufgeben. Im März 2015 bin ich dann nach Wien gereist, um bei einem Workshop „How to monetize your blog“ teilzunehmen. Der Workshop hat mir sehr geholfen und mir für einige Dinge die Augen geöffnet. Wer also ebenfalls den Schritt wagen möchte, dem kann ich einen Workshop von Fashion Camp Vienna nur empfehlen. Außerdem war es ganz wichtig, mein Unternehmen anzumelden, sowie zu recherchieren, welche Administration ich für das Finanzamt führen muss. Darüber hinaus kann ich als Tipp noch sagen, dass es am besten ist, wenn man ein Geschäftskonto bei der Bank eröffnet und damit private Ausgaben von den geschäftlichen Einnahmen und Ausgaben trennt. So ist es für das Finanzamt und auch euch bei der Steuererklärung einfacher, die Bilanzen nachzuvollziehen. Ebenso habe ich mir ein weiteres Standbein als „Stylistin“ bei Zalon by Zalando gesichert. Die Arbeit erledige ich ebenfalls von Zuhause und kann ich teilweise auf meinem Blog integrieren. Ebenso kann ich bestimmen, wie viel Zeit ich dafür investieren möchte. Du musst dir halt überlegen, wie du dein monatliches Gehalt sichern kannst.

Welche Gesetze muss ich als Mode-Blogger beachten?

Da das für jedes Land verschieden ist, kann ich das hier leider nicht erläutern. Ich musste in den Niederlanden z. B. ein Unternehmen (Eenmanszaak) anmelden, damit ich im „Handelsregister“ (Kamer van Koophandel) registriert bin und meine eigene Umsatzsteueridentifikationsnummer sowie KvK bekomme. Verdienst du im Jahr weniger als 17.500 € Brutto in Deutschland, dann benötigst du lediglich eine Steuernummer vom Finanzamt. In dem Fall bist du ein „Kleinunternehmer“ und brauchst keine Umsatzsteuer zu zahlen (Einkommenssteuer am Ende des Jahres aber schon). Mit der eben genannten USt.-IdNr. kann ich mit Unternehmen im Ausland zusammenarbeiten. Auf jeder Rechnung, die ich verschicke, muss ich meine USt.-IdNr. vermerken sowie die des Kunden (es sei denn, das Unternehmen hat seinen Sitz in den Niederlanden, in eurem Fall in Deutschland). Außerdem kommt der Vermerk „Reverse charge“ drauf, da immer das Unternehmen in seinem Land Umsatzsteuer zahlen muss, wenn der Blogger in einem anderen Land sitzt. Hierzu mache ich aber bald noch einen ausführlichen Post.

Womit verdienst du eigentlich dein Geld?

Das meiste Geld nehme ich eigentlich durch „Advertorials“ und „Affiliate“ ein. Advertorials sind Blogposts, die in Kooperation mit anderen Unternehmen entstanden sind und damit werbend sind. Hierbei wähle ich natürlich nur Kooperationspartner, die zu meinem Blog passen und ich in einen qualitativen Post einbringen kann. Dabei setze ich den Fokus eigentlich nie richtig auf den Kunden, sondern wähle ein cooles Thema, zu dem der Partner dann passt und easy integriert werden kann. Weiterhin nehme ich Geld durch „Affiliate“ ein sowie hier und da andere Dinge, wie als Testimonial für einen Kunden, Banner, Social Media Shout-Out etc. Tracdelight.com ist hierbei eine gute Plattform für Affiliate und ebenso Apps wie „AmazeApp“. Ich arbeite zu dem auch als „Stylistin“ für Zalon by Zalando. Das Ganze kann ich mir selbst einteilen und von zu Hause aus machen. Ich sehe es als ein Teil meiner Arbeit als Modeblogger.

Wie sieht dein Alltag aus?

Meine erste Woche als selbstständige Modebloggerin habe ich mit der Berlin Fashion Week begonnen. Und danach ging’s dann wirklich los. Die erste Woche war ziemlich hart, da es mir nicht leicht fällt, mich aus dem Bett zu zerren. Es mussten also ein paar Tricks her. Ich plane mir für morgens immer Termine ein. Das kann ein CrossFit-WOD im Gym sein oder ein Telefonat mit einem Kunden, Hauptsache ich muss dafür das Bett verlassen. Sobald ich dann erst mal aufgestanden bin, kommt der Rest von alleine. Ich habe mir ein kleines Büro eingerichtet, da es doch einfacher ist, sich am Schreibtisch zu konzentrieren, anstatt auf der Couch vor dem Fernseher. Ich mache mir dann immer eine kleine Liste von Dingen, die ich an dem Tag schaffen möchte. Jeder Tag sieht anders bei mir aus, aber enthält so ziemlich folgende Dinge: Emails prüfen, Social Media prüfen, Google Analytics prüfen, Blogpost vorbereiten/veröffentlichen, Fotos für den Blog machen, auf Social Media posten, Online-Shops durchforsten, andere Blogs lesen, Stylisten-Aufgaben für Zalon erledigen, evtl. Termine außer Haus wahrnehmen sowie Modemagazine als Inspiration lesen und als Fitnessbloggerin trainieren (fast täglich) als auch mehr Wissen aneignen, um es gut in Artikeln weitergeben zu können.

Wie viel Zeit investierst du pro Woche?

Ganz genau kann ich das nicht sagen. Im Prinzip bin ich ständig dabei mal eine Email zu schreiben oder andere Dinge meiner Liste zu erledigen. Dazu gehört auch das Wochenende, mein „Urlaub“ oder Abende. Am Ende des Tages möchte ich einfach das Gefühl haben, dass der Tag produktiv war. Manchmal kann ich Arbeit und Freizeit nicht mehr unterscheiden, womit ich ok bin, da ich mein Hobby eben zum Beruf gemacht habe. So glücklich wie jetzt, war ich noch nie mit einer Arbeit und daher möchte ich auch viel Zeit und Aufwand investieren, um das nicht zu verlieren. Es hat aber ein wenig gedauert, bis ich alles unter einen Hut bringen konnte.

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EN | Since I’m self-employed people have been asking the same questions over and over again. I love that people are interested and want to know more about the job as a blogger. Since blogging has become a new profession, I want to repeat the mentioned questions and answers for you. I believe that more and more of you would love to make blogging to their profession, so here you go:

How did you prepare your self-employment?

I started my blog about 4 years ago, so I’ve built up Fashionjudy quite slowly. There were quite some long breaks in between which wasn’t really helpful with growing my visitors and followers. But a high number like 4 years is always good to have since clients rather choose to work with someone with experience and constancy. An important step to being a fulltime blogger was a workshop called „how to monetize your blog“ in Vienna in March 2015. It was an eye-opener and taught me even more things about blogger business. This is why I strongly recommend to attend a (couple of) workshop(s) before starting your own business. Experienced people have usually got a lot of helpful tips to pass on. Furthermore, I had to officially register my company in the Netherlands and do quite some research about administration that I must perform for the tax office. Besides, I work as a freelance stylist for Zalon by Zalando. Before you start your own business you need to calculate what you need for paying your monthly bills.

Which laws do I must consider?

This depends. The laws differ per country which is why I can’t really give you any advice. In the Netherlands I had to register my company (Eenmanszaak) at the „Kamer van Koophandel“ in order to do business and receive my VAT number. If you are a „kleine ondernemer“ which means that you must pay less than € 1883 VAT a year, then you don’t need to register as a company but only must ask for a tax number. In this case you don’t need to pay VAT. Since I often work with clients from Germany or UK I need to write my VAT number and the VAT number of my foreign client on each invoice, since they must pay VAT in their country and not in the Netherlands. The same goes for you if you live in another EU-country. Furthermore, you must put the note „reverse charge“ on the invoice to make clear what is the situation. The same if you are a „kleine ondernemer“. If you send out your invoices, you must always mention that you are a small business owner. I’ll make a separate post about this soon.

How do you earn money with your blog?

I mostly earn money with „advertorials“ and „affiliate“. Advertorials are blog posts that come into being by a collaboration with another company. I of course only choose companies that fit to my blog and that I want to support. I actually never focus on the client itself then but better choose a topic I want to write about anyway and try to integrate the client appropriately. Besides advertorials, I also earn money with „affiliate“, as a testimonial, banners, social media shout-outs and so on. Furthermore I work as a stylist for Zalon by Zalando. I consider that as part of my work as a fashion blogger since I do that work from home and whenever I want. Soon I actually officially implement this on my blog. I’ll let you know when it’s done.

How does your daily life look like?

The first week was quite hard since I just hate to get up early, so I just slept till 10 am every morning. However, this obviously won’t work in the long run, so I had to find a solution for this issue. By now I simply plan an appointment every morning to get me out of bed. This usually is an appointment somewhere in the city, a CrossFit WOD in a gym I signed in for or a call with a client. Once I left the bed, it’s actually no problem anymore. In order to focus on work and don’t easily get distracted, I make a to-do list every day. This list usually contains the following: checking emails, checking social media, checking Google Analytics, writing blog posts, making pictures for the blog, posting on social media, browsing through online shops, reading other blogs, fulfilling my duties as a stylist, attend appointments as well as reading fashion magazines as an inspiration and doing my workouts from Mondays to Saturdays and gaining new knowledge as part of my fitness blogging.

How much time do you invest in your blog?

I honestly don’t know. I actually do stuff all day on my laptop or on my phone. This also includes the weekends, holidays and evenings. However, it’s just really important to me to feel like this day has been productive. Then I know I did enough for today. Since I’ve made my hobby to my profession, it’s sometimes difficult to distinguish work from free-time. But that’s fine with me since I’ve never been this happy about my work. Another good reason to invest a lot of time and effort in order to keep this job. But that’s often easier said than done.

Tamina

Einmal Hamburger, immer Hamburger :-) Auch wenn ich immer mal wieder für eine Weile im Ausland verschwinde, führt mein Herz mich doch immer wieder zurück in meine deutsche HafenCity. Von hier aus blogge ich über Mode, das Leben und CrossFit.

16 Comments

  • Antworten September 23, 2015

    Azon-Profi

    Hallo Tamina…

    Tja, der Weg in die Selbständigkeit ist wahrlich ein steiniger.

    Die Hauptsache ist allerdings, dass einem die selbst gewählte Beschäftigung Spaß macht – dadurch kommt der Erfolg in der Regel ganz von alleine.

    Weiterhin viel Glück! 🙂

    Rainer

    • Tamina
      Antworten September 23, 2015

      Tamina

      Danke 🙂 und ja, das stimmt! Steinig ist es. Man braucht vor allen dingen durchhaltevermögen und immer wieder neue ideen

  • Antworten September 23, 2015

    Azon-Profi

    Ein Tipp noch:

    Du solltest Dir das Plugin „Subscribe To Comments“ installieren. Andernfalls bekommt man in der Regel ja gar nicht mit, dass Du auf einen Kommentar geantwortet hast. In meinen Fall war das gerade eher Zufall.

    Hier: https://de.wordpress.org/plugins/subscribe-to-comments-reloaded

    Rainer

    P.S.: Und die Rechtschreibung sollte man möglichst auch beherrschen. Schließlich fungiert man quasi als (ein) Journalist.

    • Tamina
      Antworten September 23, 2015

      Tamina

      Ok, danke für die Tipps! Ich habe die Flüchtigkeitsfehler jetzt rausgeholt. Meine Rechtschreibung ist eigentlich ganz gut 😉 wenn man Texte von anderen liest, sieht man Flüchtigkeitsfehler immer schneller. Bei meinem ehemaligen Job musste ich täglich Artikel prüfen

      • Antworten September 23, 2015

        Azon-Profi

        Ja, das kenne ich: die eigenen Fehler und Tippfehler überliest man sehr schnell mal – Für diese Fehler wird man nach dem x-ten Korrekturlesen nämlich automatisch „blind“.

        Am besten lässt man eine „Person des Vertrauens“ mal kurz drüberschauen, bevor man einen neuen Beitrag veröffentlicht. Vorausgesetzt natürlich, diese Person ist dafür „qualifiziert“. 😛

        • Tamina
          Antworten September 23, 2015

          Tamina

          Haha ja, guter Tipp 🙂 vielleicht sollte ich mir das doch mal angewöhnen. Vier Augen sehen dann doch besser als zwei.

  • Antworten September 23, 2015

    Vanilaholica

    Sehr toller Beitrag und wirklich interessant zu lesen :)!
    Gehst du dieses Jahr auch zum Fashion Camp Wien?

    Ganz liebe Grüße, Vivi
    vanillaholica.com

    • Tamina
      Antworten September 23, 2015

      Tamina

      Ne, habe ich nicht geplant. Wobei ich schon gesehen habe, dass sie viele interessante Workshops geben. Gehst du denn hin?

  • Antworten September 25, 2015

    Susi

    Wie lustig, dass ich auf Deinen Artikel gestoßen bin. Anlass war, dass ich mich auch im Juli als Bloggerin selbstständig gemacht habe. Aber dass wir auch noch beide für Zalon arbeiten- sehr geil! Mir geht’s wie Dir, ich bin glücklich und dankbar für meine berufliche Situation- und werde alles dafür geben, dass es funktioniert! Dir dabei auch viel Glück meine Liebe!

    • Tamina
      Antworten September 25, 2015

      Tamina

      Ach wie cool. Warst du dann auch im august in berlin zum academy day? Ich hatte mich auch im juli selbstständig gemacht 😀 ich schaue mir deinen blog gleich direkt mal an. Was für ein lustiger zufall. Wie hast du meinen beitrag denn gefunden, wenn ich fragen darf? 🙂

  • Antworten September 25, 2015

    Susi

    Ps.. Es scheint, wir Stylisten haben sogar ähnliche Rubriken auf dem Blog

  • Antworten September 25, 2015

    Melina

    Liebe Tamina, ein schöner Blogbeitrag, der sicher Einigen geholfen hat, die sich überlegen in die Selbstständigkeit einzusteigen. Vielen Dank ♥

    Liebst, Melina
    http://www.melinaalt.de

  • Antworten Oktober 12, 2015

    Orryginal

    Wow, Glückwunsch Liebes und toller Beitrag. Schön, dass du so viel Einblick gewährst und ehrlich schreibst UND dazu noch Tipps gibst, für all diejenigen, die sich evtl. auch wagen wollen, tun nicht viele erfolgreichen Blogger, stark!

    http://orryginal.com/

  • Antworten Februar 3, 2017

    Lisa

    Hallo,

    ein schöner Artikel. Interessant zu lesen!
    Viel Erfolg für die Zukunft! 🙂

    Liebe Grüße, Lisa

  • Antworten Februar 3, 2017

    Robert

    Freut mich, dass du diesen Schritt gewagt hast und er auch erfolgreich ist 🙂 Vor allem da die Lebenshaltungskosten in Hamburg ja auch nicht unbedingt gering sein dürften.

    Du schreibst auch, dass du am Ende des Abends das Gefühl haben musst, produktiv gewesen zu sein. So geht es mir 100% genauso.

    Viel Erfolg weiterhin!

  • […] Tamina schreibt: „Ich habe mir ein kleines Büro eingerichtet, da es doch einfacher ist, sich am Schreibtisch zu konzentrieren, anstatt auf der Couch vor dem Fernseher. Ich mache mir dann immer eine kleine Liste von Dingen, die ich an dem Tag schaffen möchte.“ […]

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